altes rathaus mit rottmeisterhaus

Bamberg, das ‘fränkische Rom’, die 7 Hügelstadt an der Mündung der Regnitz in den Main, weist eine der größten erhalten gebliebenen historischen Altstädte in Deutschland auf und ist von daher 1993 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden. Damit gehört auch zu diesem Erbe unweigerlich das heute nicht mehr existierende sog. ‘Malefizhaus’ oder auch ‘Drudenhaus’, ein massiver Sandsteinbau im Renaissancestil, (ältere Schreibweise: Truthenhaus) im Verlauf der Bamberger Hexenprozesse - das katholische Folter- und Mordgefängnis des ‘Hochstift Bamberg’ genannten Mordsyndikats. (Verf.)

Der diesbezüglich erkundende Stadtwanderer erfährt an öffentlichen Plätzen nichts darüber. Weder in der Tourist-Info noch auf den zahlreichen Stadtplänen an den wichtigen Punkten des Stadtgebietes findet sich der geringste Hinweis. Nur an der Südfassade der St. Hedwig-Apotheke, ‘Franz-Ludwig-Straße 7’, dem etwaigen Standort, ist eine gläserne Hinweistafel angebracht, die jedoch von den Passanten kaum wahrgenommen wird, mit der Kopie des Kupferstiches aus dem Jahre 1627, vermutlich von Peter Isselburg oder von Matthaeus Merien d. Ä. (Stand: Staatsbibliothek Bamberg, Signatur: V. B. 211). Der Standort des Schöpfers des Stiches befindet sich etwa wenige Meter südlich des heutigen ‘Fuchs-Backhäusla’, am Ende der ehemaligen ‘Garküchenstraße’, am ehemaligen ‘Häfnermarkt’ oder auch ‘Hafenplätzlein’ mit Blickrichtung Ostnordost, stadtauswärts, s. Fotomontage roter Richtungspfeil (Verf.) 

hinweistafel st. hedwig apotheke kopie kupferstich 1627 von peter isselburg

Die im Dezember 1627 unter dem Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim fertiggestellte bzw. eröffnete Anlage des Malefizhaus, ein Areal, umgrenzt von einer übermannshohen Mauer, lag unmittelbar innerhalb an der damaligen nordöstlichen Stadtmauer, etwa der Verlauf der heutigen Straße ‘Promenade’, und bestand aus einem zweigeschossigen Haupthaus mit Satteldach und einem turmartigen, nahezu fensterlosen Nebengebäude - die ‘Peinliche Frag’, die mit einem geschlossenen Verbindungsgang mit dem Haupthaus verbunden war. Dieses Nebengebäude, das eigentliche Foltergebäude, wurde bewusst an Stelle eines alten Stadtmauerturmes errichtet, unter dem ein Abwassergraben oder Bach entlang der ehemaligen Garküchenstraße, aus der Stadt geleitet wurde - Blut und Exkremente, die sehr oft bei den unsäglichen Foltersitzungen anfielen, entsorgten sich von selbst. Das Hauptgebäude befand sich unmittelbar südlich der heutigen St. Hedwig Apotheke, wenige Meter nach Westen versetzt, mit den Giebelseiten in Ost-West-Ausrichtung, genau längs auf dem Verlauf der heutigen Franz-Ludwig-Straße. In diesem Bereich  befand sich vorher der Schießplatz der Stahlschützen (Armbrustschützen). Der Original-Stich rechts zeigt am unteren Rand eine Skala (Maßstab) von Hundert ‘Schuhen’ (Längenmaß), dabei handelt es sich wahrscheinlich um den in Bamberg gebräuchlichen ‘Bamberger Schuh’ (26,8 cm). Daraus ist eine Gesamtlänge des Hauses mit Kapelle von 23,85 m errechenbar und eine Breite von 11,4 m. Die Höhe kann nach diesen Proportionen hinsichtlich der Baukonzeption mit 10-12 m geschätzt werden (Verf.). Über die zwei Geschosse verteilten sich neben 2-3 Stuben ca. 30 Zellen zur Inhaftierung, je Geschoss an der Ostseite eine hinausgebaute runde Kapelle.

Über dem Portal an der westlichen Giebelwand war folgende Inschrift angebracht: DISCITE JUSTITIAM MONITI ET NON TEMNERE DIVOS (ein Zitat aus Vergils Aeneis: „Lasst euch das eine Ermahnung sein, Gerechtigkeit zu lernen und die Götter nicht zu missachten“). Darüber war die Figur der Justitia platziert und auf der Höhe des ersten Stockwerks war auf einer Rollwerkkartusche folgender Vers aus dem Buch der Könige (9. Kapitel) zu lesen: Das Haus wirdt ein Exempel werden, das alle die furüber gehen, werden sich Entsetzen, vnnd Blaßen vnnd Pfeiffen vnnd sagen: Warumb hatt der Herr disem Landt disem Hauß also gethan? So wirdt man andwortten: Darumb das sie den Herren ihren Gott verlassen haben, vnnd haben angenommen andere Götter, vnnd sie Angebettet, vnnd ihnen gedienet, Darumb hat der Herr all diß übel über sie gebracht. Die zweite Kartusche enthielt den gleichen Text in lateinischer Sprache. (Quelle: ...wikipedia.org-wiki-drudenhaus) 

Die ‘Peinliche Frag’, jene Örtlichkeit des Grauens, wo die ‘Wahrheitsfindung’ mittels Folter erpresst wurde, befand sich etwa 30 m südlich der St. Hedwig - Apotheke, auf heute überbauter Stelle, im Bereich ‘Franz-Ludwig-Straße 8-10’ (s. Fotomontage, durch die Perspektive des Blickwinkels verändern sich Größenverhältnisse, Abstände und Entfernungen, Verf.). Der Standort des Malefizhauses ist unter Fachleuten bis in jüngste Zeit umstritten gewesen, kein Stadtplan ist seither bekannt, aus dem die einstige Lage hervorgeht, wohl ein Grund dafür ist die Kurzlebigkeit dieser Anlage (1627-1635). Die hier aufgeführte Bestimmung des Standortes basiert auf einem Aufsatz von Peter Engerisser, 2008, Buchautor (Kronach), der sich hauptsächlich an älteren Bamberger Stadtbeschreibungen orientiert und die darin enthaltenen Bezugspunkte glaubhaft verarbeitet. (Verf.) 

Wo stand das Bamberger Malefiz- oder Trudenhaus ? (von Peter Engerisser, Kronach)

fotomontage blickrichtung osten kopie lit. h. j. wolf 1998 fuchs v. dornheim

Malefizhaus Bamberg, Blickrichtung Osten, Fotomontage Verf.

Johann Georg II. Freiherr Fuchs von Dornheim

Roter Richtungspfeil rechts, etwa der Bereich des ehemaligen ‘Häfnermarktes’ und Standort des Schöpfers des Stiches. Das Hauptgebäude dürfte in etwa unmittelbar auf der heutigen ‘Franz-Ludwig-Straße’ gestanden haben, zwischen der ‘St. Hedwig-Apotheke’ und dem ‘Fuchs Backhäusla’, etwa um 6 m nach Westen versetzt, sodass es noch mit seiner Nordostecke halb in den Verkaufsraum der Apotheke gereicht hätte. Wohl kaum ein Passant, der heute dieses westliche Teilstück der Franz-Ferinand-Straße frequentiert, wird sich bewusst sein, dass er sich durch räumliche Sphäre des Malefizhauses bewegt, jene Bamberger Stätte des Grauens und unsäglichen Leids (Fotomontage v. Verf.)

Die Bamberger Hexenprozesse

Im Jahre 2015, nach einem Beschluss des Stadtrates in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein Bamberg-Mitte, wurde auf der Freifläche zwischen dem Ludwigskanal und dem Schloss Geyerswörth ein Mahnmal errichtet mit einer Texttafel folgenden Inhaltes: ‘Im Hochstift Bamberg wurden im 17. Jahrhundert etwa 1000 Frauen, Männer und Kinder unschuldig angeklagt, gefoltert und hingerichtet’ ...

Ein erster Fall von Zauberei im Hochstift Bamberg (Wahrsager Jacob Vogler von Pleydenstein) stammt vom 24. August 1421 und ist im Echtbuch dokumentiert. (Hansen, Die Hexenprozesse im Hochstift Bamberg, Weimar 1951).

Die frühen Bamberger Hexenprozesse fanden unmittelbar im Schatten des Domes statt, in der westlich angrenzenden bischöflichen Hofhaltung. Direkt im Bereich des Haupteinganges in den Innenhof befindet sich rechts ein Gebäudetrakt, das wohl mit seinen Kellergewölben dafür errichtet wurde. Hier wird eine ‘Ratsstube’ (Info-Museum) und eine sog. ‘Büttelstube’ (s. F. Förner) erwähnt, die Folterstätte. 1507 tritt die ‘Constitutio Criminalis Bambergensis’ in Kraft (Bambergische Peinl. Halsgerichtsordnung), die u. a. die Strafe für Hexerei auf Tod durch Verbrennen festlegte, aber auch Vorgaben enthielt, bezüglich der Anwendung der Folter, wobei der Delinquent keine körperlichen Schäden davontragen sollte und eine Foltersitzung nicht länger als 1 Stunde währen sollte. Zunächst sind in der ersten Hälfte des 16. Jh. keine Hexenverfolgungen nachweislich. Erst unter Fürstbischof Ernst von Mengersdorf (1583-91) kam es zu blutigen Hexenbränden, die jedoch bis heute nicht dokumentierbar sind. Das erste Todesurteil, das vom Zentgericht gefällt wird, erfolgt in der Regierungszeit des Bischofs Neythard von Thüngen (1591-98) - Margareta Behemerin wird wegen Bündnis mit dem Teufel ‘zum lebenden Brand’ verurteilt. (Quelle: Lit. H.-J. Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, Hamburg 1998, S. 359). Weitere wenige Prozesse finden unter Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel statt (1599-1609)

bisch. hofhaltung ratsstube - buettelstube

Mit Regierungsantritt des Fürstbischofs Johann Gottfried I. von Aschhausen, Bamberg ab 1609 und Würzburg ab 1617, der zunächst ein Mandat gegen das greuliche hochsträfliche Hauptlaster der Zauberei, Wahrsagerei, verdächtige, unnatürliche, verbotene Kunst erlässt, nehmen die Hexenverfolgungen dramatische Ausmaße an. 1612/13 und 1617/18 wurden im Hochstift Bamberg 300 Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, allein 1617 102 Personen als Hexen. Aufsehen erregt der Prozess 1616-17 gegen die Magd Margarethe Dümler(in) aus Kronach, die wegen angeblicher Krankheitsverursachung bei einem Müller als Zauberin bezichtigt wird. Sie wird durch den Nachrichter gefoltert, erträgt die Tortur ohne ein Geständnis abzulegen und musste freigelassen werden. (Lit. H.-J. Wolf, S. 359)

Weihbischof Friedrich Förner (1610-1630), tritt als Schriftsteller gegen das angebliche Hexenwesen in Erscheinung und gilt als Initiator des Malefizhauses. F. Förner studierte im Collegium Germanicum zu Rom, wurde 1592 erster ‘Magister der Weltweisheit’ zu Würzburg, dann Doktor der Theologie, Canonicus zu St. Stephan in Bamberg und im Jahr 1599 Pfarrverweser zu Unserer Lieben Frau daselbst. 36 Jahre lang wirkte er dort als Domprediger. Seine lateinisch geschriebenen Predigten wurden, nach allgemeiner Sitte der Zeit, von ihm deutsch gehalten. Außerdem predigte er in seiner Pfarrkirche, und seit dem Jahre 1614 in der Kirche zum Heiligen Martin. 1610 wurde er Weihbischof in Bamberg, aber erst am 7. Oktober 1612 als Titularbischof von Hebron durch Johann Gottfried I. von Aschhausen geweiht. Mit dieser Würde war die Stelle eines Pfarrers von St. Martin verbunden. Seine Hexenpredigten in Sankt Martin ließ er als Flugblätter drucken. In Aufzeichnungen aus dem Jahr 1622 ergibt sich, dass Friedrich Förner auch einen Exorzismus an Kunigunde Kretzin anordnete, die aber vor der Ausführung des Exorzismus in der sog.  ‘Büttelstube’ verstarb. (Quelle: ...wikipedia.org-wiki-Friedrich Förner)

Sein Nachfolger Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs (Freiherr) von Dornheim (1623-1631) kann als ein ‘Tyrann der katholischen Kirche’ bezeichnet werden. Mit seiner Ernennung 1623 setzen noch massivere Hexenverfolgungen ein, die in Bezug auf Opferzahlen, Grausamkeit und Mißachtung der allgemeinen Regeln alles bis dahin dagewesene in den Schatten stellen. In seiner Schreckensherrschaft sollen in Bamberg und Zeil a. Main um die 600 Menschen, nach grausamer Folter, auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein. Der verhasste Bischof erhält im Volk den Beinamen ‘Hexenbrenner von Bamberg’ oder auch ‘Hexenbischof’. Seine häufig exemplarisch geführten Ausschweifungen beweisen die Tatsache, dass das Kirchenamt ‘Inquisition’ als universelles Mittel zum Machtmißbrauch geschaffen wurde. F. v. Dornheim lässt bis in höchste Bamberger Kreise gezielt denunzieren (erkaufte Besagungen) um seine politischen Gegner auszuschalten oder Wohlhabende in seine Fänge zu bekommen, um deren Vermögen konfiszieren zu können. Das Einziehen sämtlichen Besitzes der Verurteilten war gängige Praxis in der gesamten Zeit der Hexenprozesse im damaligen Deutschen Reich. F. v. Dornheim betreibt diesen Gütereinzug jedoch derart massiv, dass sich auf Beschwerden von Stiftsangehörigen Kaiser Ferdinand II. wiederholt veranlasst sieht, gegen sein Unwesen einzuschreiten. Er erlässt am 26. 5. 1631 ein Mandat zur Warnung und lässt ihn am 12. Juni 1631 wissen: ‘Was aber die höchst schmutzige Confiscation in diesen Crimine angeht, können Wir diese durchaus nit, undt unter keinerlei Vorwandt mehr gestatten’. Dennoch spielen hier die Machtverhältnisse zwischen Papst und Kaiser eine gewisse Rolle. (Verf. frei nach Lit. H.-J. Wolf, S. 362)

Die markantesten Prozesse, neben denen hochgestellter Personen wie Ratsherren der Stadtverwaltung oder sogar Stiftsangehörigen, sind jene gegen den Bamberger Bürgermeister Johannes Junius, dem nach tagelanger Tortur ein aberwitziges ‘Geständnis’ abgefoltert wurde mit anschliessender Enthauptung und Verbrennung des Leichnams am 6. August 1628 (Quelle: Lit. H.-J. Wolf, S. 361-362). Auch der 35-jährige Bürgermeister Johann Langhans, Zeil am Main, wurde 1628 als Hexenmeister verbrannt. Oder der perfide Prozess gegen den bischöflichen Kanzler Dr. Georg Haan, der mit einigen Angehörigen seiner Familie Opfer des Tyrannen wurde (Verf.) 

Geständnis J. Junius: In seinem Geständnis unter Folter sagte Junius, dass er 1624, als er in finanziellen Schwierigkeiten war, von einer Frau verführt worden sei, die sich später als Succubus herausstellte. Sie habe ihn mit dem Tod bedroht, wenn er nicht Gott verleugnete. Er bekam den Hexen-Namen Krix und den Familiennamen Füchsin. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich einige Stadtbewohner ebenfalls als Verbündete des Teufels zu erkennen gegeben und ihm gratuliert. Von da an wäre er regelmäßig auf einem riesigen schwarzen geflügelten Hund zum Hexensabbath geritten. Er habe eine Schwarze Messe besucht, auf welcher der Beelzebub erschienen sei. Obwohl ihm andere Hexen und Dämonen befohlen hätten, in ihrem Namen ein Kind zu töten und ihn geschlagen hätten, habe er dieses Opfer nicht vollbracht. Er gab zu, sein Pferd geopfert zu haben und die Hostie entweiht zu haben. Sein Geständnis erinnert in mehreren Punkten an das Geständnis von Walpurga Hausmännin aus dem Jahr 1587. Zum Beispiel die Taufe auf einen Hexennamen und das Verschwinden des Succubus, wenn der Name Gottes genannt wird. (Quelle: ...wikipedia.org-wiki-Bürgermeister Johannes Junius)

Der gebürtige Bamberger Georg Haan war seinerzeit die höchste weltliche Persönlichkeit in der Stadt Bamberg. Er war mit Katharina Haan verheiratet und hatte mit ihr mehrere Kinder. Georg Haan reiste im Dezember 1627 zum Reichskammergericht in Speyer, um für seine Frau einen Schutzbrief wegen ihrer bevorstehenden Denunziation durch den Hexenkommissar Harsee zu erlangen. Kurz nach seinem Aufbruch wurde Katharina am 29. Dezember 1627 verhaftet. Nach mehrfacher Folter wurde sie am 19. Januar 1628 für schuldig befunden und wahrscheinlich am 24. Januar geköpft, ihr Leichnam dann verbrannt. Das gleiche Schicksal ereilte kurze Zeit später seiner Tochter Katharina. Als Georg Haan am 10. Februar wieder in Bamberg eintraf, waren beide nicht mehr am Leben. Dennoch versah er bis Mai 1628 weiter seinen Dienst für den Bamberger Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Für Georg Haan wurde die Situation in Bamberg immer schwieriger. Ein Rettungsversuch durch den Kurfürsten von Bayern, welcher plante, ihn in seine Dienste zu nehmen und nach Amberg zu schicken, wurde von dem Fürstbischof vereitelt. Im Mai 1628 wurde Georg Haan selbst als Hexer verhaftet und gefoltert. Das Geständnis wurde letztendlich auf besonders perfide Weise erpresst: ihm wurde vorgelesen, dass sein eigener Sohn, Georg Adam, ihn bei einer Befragung als Hexer beschuldigt habe. Völlig verzweifelt gestand Georg Haan. Er wurde am frühen Morgen Freitag des 14. Juli 1628 in der Alten Hofhaltung in Bamberg hingerichtet. Georg Haan legte in seinem Testament fest, dass sein Vermögen an seine Kinder sowie an Personen, welchen er etwas schuldig war, gehen sollte. Die Kirche ging leer aus. Ein Jahr später wurden seine jüngste Tochter Ursula Maria sowie sein Sohn Georg Adam verhaftet und ebenfalls verbrannt. Nur seine drei letzten Söhne Carl, Leonhard und Daniel überlebten den Hexenwahn und erhielten Hilfe vom Dominikanerinnenkloster Heilig Grab in Bamberg. (Quelle: ...wikipedia.org-wiki-Dr. Georg Haan)

Diese Hinrichtung fand angeblich um 4.30 Uhr in der Privatstube (vermutl. Enthauptung in der sog. Büttelstube, Verf.) im Beisein von 80 Leuten statt. Man stellte die Leiche mit abgeschlagenem Kopf auf einer Bahre im Hof aus, worauf sie am darauffolgenden Tag verbrannt wurde (Quelle: Lit. H.-J. Wolf, S. 362)  

Weitere Prozesse sind verbürgt gegen Anna Keurin, Christian von Benenoe, Dorothea Flock, Christina Morhaubt, Daniel Bittel, Georg Neudecker, der vom 2. April 1628 bis 1631 im Malefizhaus lag,  (Lit. H.-J. Wolf, S. 362)

In der Peinlichen Frag verging kein Tag, an dem nicht das Stöhnen und Schreien der verzweifelnden, oft stundenlang unmenschlich gequälten Menschen den nur spärlich mit Öllampen und Kerzen beleuchteten Raum der ‘christlichen Wahrheitsfindung’ erfüllte. Kein Zweifel, dass hier meist im trunkenen Rund, bestehend aus Fürstbischof, seinen Schergen, wie Richtern, Schöffen, Schreibern (Einwag, Johann Miximus Steiner, Ernst Vasold, Jakob Schwarzkonz, Matthäus Herrnberger, Johann Gregor Harsee) und den Folterknechten, Folterlust bzw. sadistische Perversion ausgelebt wurde. Die gewöhnlichste, meist angewendete Folter war das sog. ‘Aufziehen’ - an den rückenseitig gefesselten Handgelenken wurde ein Seil befestigt, das über einen Haken in der Decke lief, mit dem dann der Delinquent hochgezogen wurde. Zur Steigerung wurden dann noch bis zu 50 Kilo schwere Gewichte an den Füßen befestigt. Eine weitere Steigerung war, das die Person noch höher gezogen und dann mit samt der Last herabschnellen gelasssen wurde. Nicht selten hatte diese Folter ausgerenkte Gelenke zur Folge. Weitere Gerätschaften waren Daumen- und Beinschrauben, die ‘Spanischen Stiefel’ oder der ‘Spanische Bock’ (Bambergische Tortur), auf dem der Delinquent sitzend mit Ruten und Karbatschen durchgeprügelt wurde, dann wurden die Unglücklichen in siedend heisses Wasser getaucht, auch Durstfolter wurde praktiziert, indem extrem scharfe Nahrung zwangsverabreicht wurde F. v. Dornheim lässt entgegen der Regeln so lange foltern, bis die gewünschten ‘Geständnisse’ abgemartert waren. Ein Protokoll vom 8. Juni 1627 vermerkt, dass die Angeklagte Anna Düßlein von 11 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags auf dem Bock gesessen habe (starke Schmerzen im ‘Schritt’, Verf.), andere sanken bereits nach einer Viertelstunde ohnmächtig zusammen. Die 40 jährige Christina Wildenbergerin aus Bamberg musste wegen Entkräftung vom Bock genommen werden, sie stirbt in ihrer Kerkerzelle, ohne das sie gestanden hat. Andere wurden derart geschunden und mißhandelt, dass sie bereits auf der Folter starben. Bei den allwöchentlichen Hexenbränden wurden nicht selten bis zu einem Dutzend und mehr Personen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Solche Hexenbrände wurden als besonders ‘gottgefällig’ gepriesen. (Quelle: Verf. frei nach Lit. H.-J. Wolf, S. 362-363)   

Die Inhaftierten des Malefizhaus, sowie jene in allen anderen landesweit vergleichbaren Einrichtungen, waren ihren Peinigern völlig hilflos ausgeliefert. Es ist allgemein überliefert (s. Lit. Johannes Praetorius zum Thema ‘Gefängnis), dass die meist blutjungen Frauen vom Obersten (hier Fürstbischof) und dessen Schergen in ihren Kerkerzellen brutal geschändet oder vergewaltigt wurden. Wenn die meist trunkenen Unholde dann zu später Abendstunde endlich von ihren Opfern abliessen und verschwanden - lauerten schon die Wächter. Diese Verbrechen schlimmster Art wurden zum täglichen Alltag der Kirchentyrannen. Die neuzeitlichen Missbrauchsfälle in Kirchenkreisen sind nur die Spitze eines aus dem Mittelalter gewachsenen Eisberges aus Verbrechen gegen die Menschlichkeit  (Verf.)  

Als im September 1631 die protestantischen Schweden im Anmarsch auf Bamberg waren, wurden die letzten Zehn Inhaftierten des Malefizhaus unter der strengen Auflage größtes Stillschweigen zu bewahren, freigelassen. F. v. Dornheim raffte in aller Eile fast den halben Domschatz zusammen und floh mit einigen seiner Justizschergen nach Spital am Pyhrn in Oberösterreich, wo er 47-jährig, am 29. 3. 1633 nach einem Schlaganfall verstarb. (Verf.) 

Unter dem schwedischen Einfluss endeten zunächst die Hexenprozesse in Bamberg. Der nicht mehr genutzte Zweckbau des Malefizhauses wurde nach 1635 abgerissen. Das Baumaterial wurde bei Bau des Kapuzinerklosters verwendet. Ein Hexenmandat von 1650, erlassen von Bischof Melchior Otto Voit von Salzburg, zeigt keine Wirkungen. (Quelle: Lit. H.-J. Wolf, S. 363)

Quellangaben: Lit.: 1. Hans-Jürgen Wolf, Geschichte der Hexenprozesse, Hamburg 1998 (frei übernommen, Verf.), daraus: Kopie Kupferstich u. Fuchs v. Dornheim,  Internet: 1. ...engerisser.de-Malefizhaus.pdf-Wo stand das Bamberger Malefiz- oder Drudenhaus ?, 2. ...wikipedia.org-wiki-

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