quelle: lit. w. saal 1989 quelle: google.com-maps-boblas-street view

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Naumburg (Saale), OT Boblas, Burgenlandkreis, im Ort, südöstl. der ev. Dorfkirche, westseitig an der 'Schafgasse' auf einer Wiese, Steinkreuz

Obertägige Maße: (aktuell nicht bekannt), Steinkreuz aus hellem Kalkstein gotischer Epoche,  gedrungener Kreuzstand mit markanter Schafterweiterung und Darstellung eines Schwertes (Verf.)

'Im Ort, auf einer kleinen Anlage zwischen zwei sich gabelnden Wegen, östlich der Kirche. Dem tatzenförmigen Kreuz ist auf der Ostseite am tieferliegenden Fahrweg Beton gegengesetzt worden. Der südliche Arm war abgebrochen und ist wieder angesetzt worden, er ist zur Hälfte verwittert. Der nördliche Arm zeigt starke Abschlagsspuren, doch dürften die Schäden mehr durch Verwitterung entstanden sein. Der südliche Arm ist auf der Oberseite abgeschlagen. An der der Kirche abgewandten Seite befinden sich Spuren, die den Eindruck eines eingeritzten Schwertes machen, doch ist eine solche Deutung sehr unsicher. Das Kreuz besteht aus einem plattigen Kalkstein. Höhe 96 cm, Br. 49 cm, T. 17 cm. Ende 14. / frühes 15. Jahrhundert. Nach der Erzählung eines älteren Einwohners soll Boblas früher eine eigene Herrschaft gewesen sein, die auch die niedere Gerichtsbarkeit besessen haben soll. Daran soll noch heute das Kreuz erinnern' (Lit. W. Saal 1989)

Geschichte (Auszüge)
Die erste Nennung des Ortes und des hochangesehenen und freien Dynastengeschlechtes stammt aus einer Urkunde des Bischofs Udo I. von Naumburg aus dem Jahre 1140, über die Verlegung des Zisterzienserklosters von Schmölln nach Pforte. In dieser findet sich unter den Zeugen auch ein Nobiles Reinhardus de Bobuluz. Der Bruder des Reinhard von Bebelz, Berthold, war 1130 Domdechant, 1140 Dompropst und von 1154 bis 1161 als Berthold I. von Boblas Bischof des Bistums Naumburg. Letztmals wird die Familie 1204 genannt, als Berthold von Bobeluz das Dorf Tribun (Flemmingen) zu Lehen erhielt. Im Urkundenbuch Hst, Naumburg S. 187 ist der 3. Januar 1148 erstmals genannt worden. Nachfolgend ging der Ort als Lehen an die Schenken von der Rudelsburg. 1413 erhielt die Familie von Bünau das Dorf vom Markgrafen von Meißen als Lehen. Boblas erscheint häufiger in den Urkunden des Naumburger Domstifts, das dort Güter besaß. Das schon zu dieser Zeit existierende Rittergut in Boblas besaß auch Güter in Neidschütz.  (wikipedia.org-wiki-Boblas)

Anmerkung
Aus W. Saal's Beschreibung geht ein äußerst wichtiger Hinweis auf einen eventuellen Ursprung des Steinkreuzes hervor, indem es mit einer grundherrlichen Gerichtsbarkeit in Verbindung gebracht wird. Eine solche Hindeutung kommt im neuzeitlichen deutschen Schrifttum über Flurdenkmäler wie Steinkreuze und Kreuzsteine kaum vor, weil die deutsche Steinkreuzforschung wichtige Hintergründe und Aspekte rechtshistorischer Quellen (z.B. Bilderhandschriften des Sachsenspiegel, 13. Jh.) nicht entsprechend beachtet und sogar diesbezüglich abgelehnt hat. Folglich wurden die meisten niederen Steinkreuze und Kreuzsteine von der Volkskunde vorbehaltlos pauschal als 'Sühnesteine' abgestempelt, obwohl keine schriftlichen Belege bzw. Sühneverträge existieren.          
Das Schwert war bis in das Mittelalter hinein Zeichen weltlicher Herrschaft und damit der Gerichtsbarkeit. Schon in heidnischer Zeit wurde auf das Schwert geschworen und der Eid geleistet (Lit. S. Altensleben 2023, aus: Brunner, Rechtsgeschichte, Grimm, Rechtsaltertümer). Es wurde zum Zeichen der mittelalterlichen Hochgerichtsbarkeit des weltlichen Adels, das todeswürdige Vergehen wie Mord, Notzucht, Raub, Verrat, Inzest, Falschmünzerei, Ehebruch, Meineid, Hexerei usw. verhandelte und nicht selten die Todesstrafe verhängte. Flurdenkmäler mit derartiger Symbolik werden deren Gerichts- bzw. Richtstätten (Straßengerichte) mit dem dazugehörenden Gottesfriede angezeigt haben. Neben den oben aufgeführten Boblaser Grundherrschaften gab es auch im Ort ein Rittergut (Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. Stephan Altensleben, Rätselhafte Steinkreuze - Die Entdeckung ihrer wahren Bedeutung, Langenweißbach 2023, 2. Walter Saal, Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, Halle 1989, S. 23, Nr. 2 m. Abb. 64 (Kopie), daraus: 3. H. Sieling, Steinkreuze und Wappensteine bei Naumburg, Naumburg 1916, 4. A. Berg, Von den alten Steinkreuzen unserer Heimat, 1934, 5. B. Liebers, Unsere Steinkreuze - germanische Heiligtümer, 1937, 6. G. Ost, Alte Steinkreuze in den Kreisen Jena, Stadtroda und Eisenberg, Jena 1959, 7. H. Köber, Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens, Erfurt 1960, Internet: 1. google.com-maps-Boblas-Street View Okt. 2022 (Kopie, bearb.) 

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