steinkreuz colditzer wald
standort
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Colditz (Colditzer Wald) E: ca. 2,5 km vom westl. Stadtrand im Colditzer Wald, 100 m nordöstl. der Schnittstelle der Straße nach Ballendorf (B 176) mit dem Fahrweg Schönbach-Leupahn (Birkenallee) weglos auf kleiner Waldlichtung (Aufforstung), ehem. Schmuckplatz mit Ruhebänken, ‘Schneiderstein’

Obertägige Maße: Höhe 0,80 m, Br. 0,68, T. 0,25, das durch erheblichen Schrägstand gefährdete Steinkreuz lat. Form aus Braunkohlenquarzit (Knollstein, Kuhfahl: Sandstein) zeigt nach Einschätzung Verf. linear eingetieft eine nach oben gerichtete Saufeder (kurzer Jagdspiess zum Erlegen gestellter Wildschweine, oft in dieser Form auf Sühnesteinen dargestellt) und links daneben auf dem Kreuzarm eine nach außen gerichtete, geöffnete Schneiderschere; bei genauer Betrachtung älterer Fotos s.u. wird unweigerlich der Eindruck erweckt, dass beide Darstellungen nicht zeitgleich eingebracht wurden - die scharfkonturigere Schere später als die bereits mehr verwitterte Saufeder; Sagen und Überlieferungen bringen jedoch unbewusst beide Darstellungen gezwungenermaßen in Zusammenhang, da sie auf dem Denkmal zu sehen sind; nach Lit. Kuhfahl, 1928, S. 115 wird eine Elle (0,64 m) oder ‘richtigerweise’ eine Nähnadel gedeutet; Lit.  Brandes, 1956, Abb. 4, skizziert gar zwei nebeneinander befindliche Stecknadeln und Lit. Blöchl, 1935, S. 11, Abb. 13, verwandelt die Nadel in ein Richtschwert und deutet das Steinkreuz irrigerweise als ‘Hoheitsmal mit Warnungszeichen’, dem Lit. Dreyhausen, 1940, widerspricht; nach Ansicht Verf. liegt hier vermutlich eine Zweifachverwendung eines alten Sühnekreuzes vor, dessen Standort sich dafür anbot oder das aus der Nähe (evtl. obige Kreuzung) herbeigeholt wurde; von daher sollte unbedingt beachtet werden, dass die beiden nachstehenden Objekte ebenfalls mit dem Tod von Menschen (Schneider) durch ein Wildschwein in Verbindung gebracht werden  (Verf.)     

kopie lit. h. quietzsch 1980
kopie lit. kuhfahl 1928

das Denkmal steht im Waldstück ‘Toter Schneider’ oder ‘Bettelfrau’ unmittelbar auf der alten Flurgrenze zu Großbothen bzw. Schönbach (Gebietsreform 2008 u. 2011) wobei letztere Bezeichnung aus der Kartenzeichnung von Adolf Ranfft: ‘Geometrischer Grundriß des Colditzer Waldes’ von 1768, Staatsarchiv Dresden, hervorgeht; nach der Sage wurde ein Schneider oder eine Bettelfrau von einem Wildschwein getötet; das Steinkreuz wurde am Standort mehrfach wieder aufgerichtet, zuletzt 1958 durch Lehrer Oliva (Grundschüler, 1959, Grundschüler setzen ein Kulturdenkmal instand, Der Rundblick, Wurzen, 6. Jg., H. 2, S. 79-80 m. Abb.)

detail hinweistafel in situ

Quellangaben: Lit.: 1. Hinweistafel vor Ort, Stadt Colditz, 2. Dr. G. A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Dresden 1928, S. 115/190, Nr. 35 m. Abb. 100, S. 148, 3. Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Inventar Bezirk Leipzig, Berlin 1980, S. 72-73, Nr. 35 m. Abb. 49 (u. Grimma, Gebietsreform 2008/2011), daraus: 4. Kuhfahl, 1936, Nr. 39, S. 20/1912, S. 60/1913b, S. 171/1914, Nr. 30, S. 224/1916, S. 29-30/1917, S. 296/1918, Nr. 30, S. 65-66 (s. Literatur-Publikationen), 5. C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- u. Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen 20. H., Amtshauptmannschaft Grimma, Dresden 1897b, 6. H. Wiechel, Alte Steinkreuze in Sachsen, Mitt. des Vereins für Sächs. Volkskunde 1. Bd. H. 11, 1899, S. 2-6 m. Abb. 15, 7. K. Helbig, Die Steinkreuze im Königreich Sachsen als Grenzeichen, Mitt. des Vereins für Sächs. Volksk. 3. Bd. S. 370-377/gl. Titel 1906b, S. 4/10 m. Abb. 11/1906c, Sp. 124, S. 171, 8. E. Prasse, Über die Steinkreuze im Königreich Sachsen, Leipz. Zeitung Nr. 52 1. Beil. März 1906, 9. R. Neumann, Alte Steinkreuze in der Gegend der mittleren Saale, Oberrealschule Weißenfels 1907, S. 15, 10. K. Herold, Alte Sühnezeichen der engeren Heimat, 1934, S. 5, 11. B. Liebers, Unsere Steinkreuze - Germ. Kultstätten ?, Naumburg 1935, S. 21, 12. F. Blöchl. Von alten Steinkreuzen und Kreuzsteinen, Pilsen 1935, S. 11 m Abb. 13, 13. H. Beschorner, Tote Männer und verwandte Flurnamen in Sachsen, Sächs. Flurnamensammler, Leipzig 1936, S. 20, 14. W. v. Dreyhausen, Die alten Steinkreuze in Böhmen und im Sudetengau, Reichenberg/Leipzig 1940, S. 51, 15. H. Kaufmann-H. Quietzsch, Von der ältesten Besiedlung des Colditzer Landes im Rahmen der Ur- u. Frühgeschichte, Colditz 1965, S. 15-54, 16. R. P. Roßberg, kl. Wanderheft, Colditz, Bad Lausick, Leipzig, 1954a, S. 23, 17. R. Krannich, Colditz und das nahe Naherholungsgebiet Colditzer Forst, Wurzen 1973, S. 34 m. Abb. 

kopie lit. h. quietzsch 1980

Colditz (Colditzer Wald) F: westl. der Stadt im Colditzer Wald südl. der B 176, ca. 1,7 km südsüdwestl. von Objekt E am ‘Schwarzer Kreuzweg’, nach ca. 300 m von dessen Abzweig nach Südwesten vom alten Fahrweg Schönbach-Leupahn (Birkenallee, südl. des sog. Flügel B) ‘Schwarzes Kreuz’

Obertägige Maße: Höhe 1,66 m, Br. 0,40/0,33, T. 0,16, der obeliskartige sich verjüngende Kreuzstein aus Porphyr mit pyramidenförmigem Abschluss zeigt auf einer Seite, auf vertiefter, scharrierter Rahmenfläche ein langschaftiges lat. Kreuz im Relief mit dreipassverzierten Enden (evtl. symbolisch für Dreifaltigkeit - Vater, Sohn, Heiliger Geist); die andere Seite durch Breitrille erzeugtes längsovales Feld mit der Inschrift (Antiqua): ‘BEY / DIESEN / IST VON / EINER / SAU ZU / TODTE / MG 1652 / GE / SCHLAGEN / WORDEN / IST VER / NEURET / WORDEN / 1727’

das Kreuz war vermutlich früher in schwarzer Farbe gefasst, wovon sich der Name ableiten könnte        (Lit. H. Quietzsch, daraus: W.C. Pfau, 1907a, S. 134); ‘verneuret’ könnte bedeuten, dass der Stein 1727 neu geschaffen wurde für ein nicht mehr vorhandenes älteres Denkmal von 1652 (H. Quietzsch, 1980,    S. 75); Sage ach Lit. Irmscher, 1928: ‘hier geht es um ‘

Angabe Lit. Kuhfahl, 1928, S. 44: Liste von Sächsischen Kreuzsteinen: Colditzer Staatsforst, Bei Flügel B und C und Schneise 2 und 3 ‘Schwarzes Kreuz’. Denkmal 1672. Tod durch Wildsau

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928 s.o. S. 44, 2. H. Quietzsch, 1980 s.o. S. 75-77, Nr. 37 m. Abb. 51/52 (u. Grimma), 3. C. Gurlitt, 1897a s.o. S. 49-50, 4. H. Wiechel, 1899 s.o. S. 4, 5. K. Helbig, 1905 s.o. S. 377-378/1906b, S. 10/12, 6. E. Prasse, 1906 s.o., 7. W. C. Pfau, Sind die alten Steinkreuze Grenzzeichen, Erzgebirgszeitung 1907a, Teplitz 28. Jg. H. 4, S. 130-135/1907b gl. Titel, 8. R. Irmscher, Aberglauben in Großbothen, Mitteldeutsche Bl. für Volkskunde 3. Jg. H. 5, S. 65-68, 9. H. Quietzsch, Steinerne Zeugen mittelalterl. Gerichtsbarkeit, Leipz. Volkszeitung 1953, 8. Jg. Nr. 24, 29. 1., 10. R. P. Roßberg, 1954a s.o. S. 23, 11. H. Quietzsch, Ein Beitrag zur Stzeinkreuzfrage, Der Rundblick, Wurzen 3. Jg., H. 23-24, S. 759-761/1966, Schwarzes Kreuz, S. 286 m. Abb./1966, Steinkreuz, S. 340/1970, Schwarzes Kreuz, S. 68 m. Abb./!970, Steinkreuz, S. 70-71, 12. R. Krannich, 1973 s.o. S. 36 m. Abb.  

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Colditz (Colditzer Wald) G: ca. 1,7 km nordwestl. des Ortes Thierbaum im Colditzer Forst am Treffpunkt der Wege ‘Zum Weißen Stein (v. Thierbaum) - Stellweg - Kohlwegflügel - Der Kohlflügel - Das krumme C - Hirschallee’ (Endpunkt der Hirschallee) ‘Weißer Stein’

Obertägige Maße: Höhe ca. 1,20 m (geschätzt, Material vermutl. Porphyr) das stelenartige Denkmal mit ebenfalls pyramidenförmigen Abschluss hinter einer Steinbank zeigt auf der Ansichtsseite einen Ringkranz im Relief mit derzeit unbestimmbaren Inhalt, darunter diverse Kritzeleien, sowie in der unteren Hälfte ein vertieftes, gerahmtes Inschriftsfeld (Verf.)

Angabe Lit. Kuhfahl, 1928, S. 44: Liste von Sächsischen Kreuzsteinen: Colditzer Staatsforst: Bei Flügel C zwischen Schneise 9 und 10: Denkstein ‘Weißer Stein’ 1711. Wildsau hat einen Schneider getötet.

die Sagenverwandtschaft der drei publizierten Denkmale im Colditzer Forst wirft schon gewisse Fragen auf - hat es hier wirklich drei verschiedene Standorte gegeben, wo ein Wildschwein ein Mensch tötete, darunter zwei Schneider ? - meist handelt es sich um eine sog. Wandersage (Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928 s.o. S. 44, Liste von Sächs. Kreuzsteinen (anmerkungsweise ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit) Bildquelle: Internet: ...images.google.de-Colditzer Wald Weisser Stein, Urheber Radler 59

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