quelle: lit. w. saal 1989

Eisleben, Lkr. Mansfeld-Südharz, A: nordöstl. des Ortes bzw. nordöstl. der B 180, am ehem. 'Kreuzsteinweg' von der 'Zellermühle' auf die Höhe zwischen 'Hutberg' und 'Lausehügel' (günstig erreichbar: die Verlängerung der Straße 'Zum Sportplatz' in nordöstl. Richtung vorbei an der Zellermühle erreicht ca. 500 m nach der Überquerung der B 180 den ehem. Standort in der ersten Wegkurve), Steinkreuz

Anmerkung: nach Lit. W. Saal 1989 wurde das Steinkreuz um 1976 herausgerissen und kurz darauf in mehrere Teile zerbrochen, worauf das Kreuz nach Wiederherstellung zunächst ins Heimatmuseum und wenig später auf den 'Kronenfriedhof' ('Caspar-Güttel-Straße') verbracht bzw. eingelagert wurde. Ob eine damals vorgesehene Kopie am ursprünglichen Standort aufgestellt wurde ist hier nicht bekannt (Verf.)  

Obertägige Maße (ursprüngl. Standort): Höhe 1,5 m, Br. 68 cm, T. 19 cm, nur noch einarmiges Steinkreuz einst lat. Form aus Oberrißdorfer Sandstein mit Schaftverbreiterung, Reststück 84 cm; nach Lit. Größler Abschlag des linken Armes um 1880; Kreuzmitte bis in den Schaft reichend ein erhaben im Relief von 2 cm hervortretendes Tatzenkreuz, Höhe 60 cm, Br. 34 cm (Verf.)

Geschichte
Um das Jahr 1400 errichtet. Zwei Schäfer sollen sich im Streit um die Weidegrenzen gegenseitig getötet haben. Eine andere Sage berichtet von einem General, der in einer großen Schlacht den Tod fand und hier begraben wurde. Eine Kunstsage erzählt von einem großen Hochwasser, vor dem ein Bauer zu Pferde geflohen sei. Weil ihm aber ein Windstoß den Hut vom Kopfe gerissen habe, sei er vom Pferd abgestiegen, dem Hut hinterher geeilt, aber beim Bücken danach habe ihn das einholende Wasser umgerissen und ertränkt (Verf. frei nach Lit. W. Saal 1989)

Im Gebiet um Eisleben wurden im Mittelalter viele Wasser- und Windmühlen errichtet, z.B. nordöstlich der Stadt nahe des Steinkreuzes die Buschmühle, die Hohensteinmühle (Freßbach) oder weiter entfernt im Pollebener Raum 13 Mühlen u.a. die Steinmühle, die alle hauptsächlich Getreide verarbeiteten und eng mit der Landwirtschaft und dem Mansfelder Kupferschieferbergbau verbunden waren. Diese Mühlen waren wichtige Versorgungseinheiten der Städte und Dörfer im Eislebener Gebiet und unterlagen somit der grundherrlichen Justiz, die *Mühlengerichte (Mühlregal) einsetzte zur Abwicklung bzw. Regulierung aller Belange, Auflagen und Rechte. Von daher wird es auch hier ein Mühlengericht gegeben haben, dessen göttlicher Gerichtsfriede von obigen Steinkreuz als Gerichtskreuz angezeigt wurde (Verf.)      

*Mühlengericht (Mühlregal)
Als Mühlregal (von iura regalia = königliche Rechte, Regalien) bezeichnete man ab dem 9. Jahrhundert ein dem Landes- oder Grundherrn zustehendes Hoheitsrecht bezüglich des Baus und der Unterhaltung von Wassermühlen sowie deren Nutzung (Mühlenrecht). Auch die ab Ende des 12. Jahrhunderts aufkommenden Windmühlen fielen darunter. Seit dem Mittelalter zählt das Mühlregal zu den grundherrlichen Rechten. Der Grundherr war gleichzeitig Inhaber des sogenannten Mühlenbannrechts, das ihm ermöglichte, den Bau weiterer Mühlen in einem bestimmten Umkreis zu verbieten, so dass ein Gebietsmonopol entstand. Darüber hinaus konnte er durch den sog. Mahl- oder Mühlenzwang die Untertanen verpflichten, ihr Getreide ausschließlich in der Mühle des Grundherren mahlen zu lassen, was einen Benutzungszwang darstellte. Für das Mahlen des Mehls entrichteten die Untertanen dem Müller einen Mahllohn in Naturalien, das heißt, indem sie ihm einen Teil des Mahlgutes überlassen mussten. Zusätzlich bezog der Grundherr in manchen Territorien von dem Müller, der die Mühle als Reallehen empfangen hatte, einen Lehenzins in Form von Geld oder Naturalleistungen, im Regelfall gemahlenes Korn, aber auch andere Güter. Im Kurfürstentum Sachsen wurde beispielsweise im Jahr 1766 der sog. Mahlgroschen eingeführt. Ab dem 13. Jahrhundert durften sich die Stadtmüller in Zünften zusammenschließen z.B. Straßburg 1263, Worms 1281 (wikipedia.org-wiki-Mühlregal)

Quellangaben: Lit.: 1. Walter Saal, Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, Halle 1989, S. 17 m. Abb. 35 (Kopie), daraus: 2. G. Winckler, Die Sagen des Mansfelder Landes, Eisleben 1925, 3. H. Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, Eisfeld 1880, Internet: 1.wikipedia.org-wiki-Mühlregal

quelle: lit. w. saal 1989

Eisleben B: OT Helfta, südl. im Ort, kurz nach dem Kreisel 'Hauptstraße' (Blaue Chaussee, W. Saal) am spitzwinkligen Abzweig 'Erdeborner Weg' (Alte Poststraße, W. Saal), Steinkreuz

Anmerkung: Das Steinkreuz wurde 1936 umgeworfen und wieder aufgestellt und in den 1970-ziger Jahren schwer beschädigt, wobei der Schaft abbrach und verlorenging. Es ist damals beim Kreispfleger O. Marschall eingelagert worden und sollte am Standort wieder aufgestellt werden. Das Kreuz könnte mit einem weiteren heute verschwundenen Helftaer Kreuz identisch sein, s.u. (Verf. frei nach W. Saal 1989)

Obertägige Maße (Reststück nach Beschädigung und Reparatur): Höhe 64 cm, Br. 54 cm, T. 18 cm (einstige Gesamtlänge 1,5 m), gedrungenes Steinkreuz lat. Form aus Sandstein mit gerundeten Balkenenden; Armoberseiten markant nach außen abgeschliffen, vermutlich durch das Abziehen mittelalterlicher Hieb- oder Stichwaffen zur vermeintlichen Kraftübernahme; diesen Befund weisen nicht selten Flurdenkmale an wichtigen Altstraßen auf, wo viel waffentragendes Volk frequentierte, s. Einf. (Verf.) 

Quellangaben: Lit.: 1. Walter Saal, Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, Halle 1989, S. 17 m. Abb. 36 (Kopie), daraus: 2. G. Winckler, Die Sagen des Mansfelder Landes, Eisleben 1925, Internet: 

verschollene Objekte:
In Helfta befand sich in der Nähe des Gasthofes 'Zur Sonne' an der Alten Poststraße, und zwar an der Ecke des Gartens des Wegewärters ein Steinkreuz, das bereits vor 1880 verschwunden sein soll. Größler nimmt an, daß es früher an anderer Stelle gestanden haben muß, ohne dies jedoch weiter zu begründen. Es soll zum Andenken an einige Schäfer gesetzt worden sein, die sich hier um die Weidegrenze gestritten und sich dabei gegenseitig im Zorn erschlagen hätten. Nach anderen soll es ein Schäfer und ein Hutmann gewesen sein, die sich hier umgebracht haben. Nach anderen Bemerkungen soll das Kreuz zuletzt gelegen haben und Winckler will sogar wissen, daß es erst beim Bau der elektrischen Kleinbahn verschwunden sein soll. Dem Verfasser erscheint es nicht unwahrscheinlich, daß dieses Kreuz mit dem z.Z. eingelagerten Helftaer Kreuz identisch ist, wofür einmal der ihnen gemeinsame Standort an der Alten Post- oder Heerstraße spricht und zum anderen auch die unterschiedlichen Angaben über den Zeitpunkt, zu dem es verschwunden sein soll (Textkopie W. Saal 1989)

Quellangaben: Lit.: 1. Walter Saal, Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, Halle 1989, S. 18, daraus: 2. H. Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, Eisleben 1880, 3. G. Winckler, Die Sagen des Mansfelder Landes, Eisleben 1925, Internet: 

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