standort marienkirche geithain

Geithain, Lkr. Leipzig: südöstl. Ortsrand im westl. Teil des Kirchhofes der Marienkirche (östl. Ende der Marienstraße) ggü. dem Hauptportal in einer Hecke (derzeit völlig eingewachsen) 3 Steinkreuze im Abstand von 2 m

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A l.: Obertägige Maße: Höhe 1,06 m, Br. 0,34, T. 0,17, das Steinkreuz aus Rochlitzer Porphyr, markant langschaftig mit gedrungenem Kreuzstand, untere und obere Armkanten leicht fallend, Schaft verjüngend, zeigte noch um 1979 im Kreuzungsfeld die linear eingetiefte Jahreszahl ‘1515’, auf dem Scheitel und Armoberseiten bis 4 cm tiefe Löcher, die als Abriebsmale deutbar sind (Verf.); alle drei Kreuze sind seit dem 15. 12. 1962 denkmalgeschützt

B: (derzeit nicht einsehbar durch Heckenbewuchs) Obertägige Maße: Höhe 121 m, Br. 0,31, T. 0,16, Form und Material wie A, lochartige Vertiefungen auf Kopf und Armoberseiten, sowie Ansichtsseite an Kopf und Schaft; ebenfalls früher die Jahreszahl 1515 sichtbar gewesen

C: Obertägige Maße: Höhe 0,93 m, Br. 0,33, T. 0,15, Situation wie A u. B mit Jahreszahl ‘1515’

Deutungen: Lit. Schödel, 1844: ‘Einige Steine auf dem Kirchhofe mit der Jahreszahl 1515 dienen zur Abmarkung der Begräbnisplätze für die 3 Ortschaften der Parochie’ (Pfarrei); Lit. Pfau, 1907: ‘Da alle drei durchaus gleiche Form haben und übereinstimmend obenauf je ein Dübelloch besitzen, in welchen ursprünglich wohl ein Aufsatz (mit Heiligenfigur, Kreuz usw.) stak, so darf man wohl annehmen, daß die drei zu einem und demselben Zweck zusammen (1515) errichtet worden sind und sind offenbar Stationskreuz’; nach einer Sage wären es Pestgräber; früher standen sie an verschiedenen Stellen des Kirchhofes (Pfau), seit 1904 als Gruppe am derzeitigen Standort aufgestellt (Wickershain, 1906)

Quellangaben: Lit.: 1. Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Berlin 1980, S. 54-58, Nr. 25/26/27 m. Abb. 35-38, daraus: 2. Dr. G. A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Dresden 1928, Nr. 261 u. Nachtrag zum Heimatschutzbuch 1928 (1936) Nr. 284, 3. F. H. Schödel, Parochie Wickershain, 10. Bd   Die Inspectionen Penig, Rochlitz, Colditz und Waldheim, Dresden 1844, S. 46-49, 4. R. Steche, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- u. Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen 15. H., Amtshauptmannschaft Borna, Dresden 1891, 5. W. C. Pfau, Geschichte des Steinbetriebes auf dem Rochlitzer Berge, Rochlitz 1898, S. 55 u. Archäologische Streifzüge in der Rochlitzer Pflege, Leipziger Zeitung Nr. 141, S. 586, 1899 u. Grundzüge der älteren Geschichte des Dorfes Seelitz und seiner Kirche, Rochlitzer Tagesblatt 1902, Nr. 12, S. 42 u. Über alte Grenzsteine in Westsachsen, Zwickau 1906, S. 191-198, u. 1907b, S. 3/11 u. 1913, H. 49, S. 5 m. Abb. 9 u. 1922 u. 1932, S. 39 u. 1941, S. 8-9 (s. Publikationen Rubr. Literatur), 6. M. Engelmann, Das Steinkreuz im Walde, Kulturspiegel des Kreises Borna, Borna April 1955, S. 6-7, 7. G. Schwarz, Steinkreuze, Die alten Steinkreuze, Neue Geithainer Stimme, 1965, Nr. 13, S. 6

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Geithain D: westl. im Ort auf dem Kirchhof der Nikolaikirche, Leipziger Str. (westl. Ende Nikolaistr.), am Gehweg südöstl. Ecke des Kirchenschiffes

Obertägige Maße: Höhe 1,05 m, Br. 0,64, T. 0,19, das Steinkreuz lat. Form aus Rochlitzer Porphyrtuff mit Schaftverjüngung, die sich maßgerecht am Kopf fortsetzt, Arme gerade, gerundete Ecken, zeigt auf der Ansichtsseite ein auf der Spitze stehendes Schwert im Flachrelief (80 cm), dessen gerade Parierstange, Griff mit rundem Knauf etwa im Kreuzungsfeld liegen; im Grunde ist das Schwert ist ein Symbol des mittelalterlichen Hochgerichtes; materialbedingt arge Oberflächenperforation durch Auswitterung (Verf.)

das Denkmal wurde nach einer Fundmeldung des Geithainer Wochenblattes im Jahre 1907 am Sand- (Kuhfahl, 1916, S. 5 u. 1918, S 41) oder Galgenberg (Uibrig, 1970a) in 0,75 m Tiefe bei Wegebauarbeiten gefunden; diese Örtlichkeit liegt südl. des Ortskernes beiderseitig der Straße nach Bruchheim, innerhalb der Felder des damaligen Gutsbesitzers Heinke, vermutlich nahe einer Wegkreuzung mit der Straße; von daher kann hier vom ursprünglichen Standort des Kreuzes ausgegangen werden; denkmalgeschützt seit 15. 12. 1962 (Fundmeldung Geithainer Wochenblatt und Anzeiger für Stadt und Land, 1907, 46. Jg. Nr. 70, S. 3, Juni 12)

aus dem Geithainer Stadtbuch von 1381-1481 (Lit. G. Wagner, 1905, Beitrag 1926, s. Link Landesverein Sächsischer Heimatschutz) geht zwar ein Sühnevertrag aus 1469 hervor, doch ist eine direkte Zuordnung nicht möglich, da Geithain auch nachstehendes Kreuz besitzt, das ebenfalls Sühnefunktion gehabt haben könnte (Quelle: Lit. H. Quietzsch)

Ein Beitrag zur Frage der Steinkreuze, in: Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Heft 5/6, Band 15, 1926, S.191

Quellangaben: Lit.: 1. H. Quietzsch, 1980, s.o. S. 51, Nr. 23 m. Abb. 33, daraus: 2. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928, s.o. Nr. 65, S. 93 u. 1936, Nr. 76 u. 1913a, S. 45, 46/ 1913c S. 186/ 1914, Nr. 55, S. 224/ 1916, S. 3, 5/ 1918, Nr. 55, S. 39, 41 (s. Publikationen Rubr. Literatur), 3. M. Engelmann, 1955, s.o. S. 6, 4. G. Schwarz, Steinkreuze, 1965 s.o. Nr. 11 m. Abb. 13/ 14, 5. H.-C. Uibrig, Uraltes Steinkreuz, 1970a, Leipziger Volkszeitung 26. Jg., Nr. 196, Beilage S. 7. Juli 18 m. Abb. u. 1970b, Auf dem ehem. Friedhof in Geithain ... Steinkreuz. Tageszeitung der CDU in im Bez. Leipzig, Ausg. B. 25. Jg., Nr. 122, S. 4. Mai 25 m. Abb. 

Internet: 1. ...digital.slub-dresden.de-Beitrag 26-Landesverein Sächsischer Heimatschutz-Geithainer Stadtbuch, Blatt 45b, 11. Oktober 1469

Geihain E: (s.r. Kopie) seit 1963 in der Südostecke des Nikolaikirchhofes abgelegt, Maße: Höhe 0,69 m, Br. 0,43, T. 0,20, das breitflächige arg ausgewitterte Steinkreuz gleichen Materials mit markant unterschiedlichen Kreuzarmlängen wurde um 1935 südwestl. vom Ortskern, am Weg nach Ossa, südsüdwestl. vom Stadtgut, südl. vom Bachzusammenfluss, im östl. stumpfen Winkel des Feldwegabzweigs nach Syra (westl.) beim Anlegen von Mieten im Erdreich aufgefunden (frostsichere Gruben für Feldfrüchte), dann bis um 1957 unmittelbar ggü. der Fundstelle aufgestellt gewesen (nordwestl.) am Weg nach Ossa, nördl. am Abzweig des genannten Feldweges, dann bis 1963 am Weg nach Ossa, an der Südecke des Wegeabzweigs nach Ost zum Windmühlengut; 1962 vermutlich durch Anfahren untertägiges Schaftstück abgebrochen und im Boden verblieben (Quelle: Lit. H. Quietzsch, Ang. v. 1980)

nach Lit. H. Quietzsch wird die Situation der Kreuzarmlängen wie folgt beschrieben: ‘Armverkürzung wahrscheinlich durch alte Verstümmelung’; hierzu sollte unbedingt beachtet werden, dass es viele Steinkreuze gibt, die gleiche Situation der Kreuzarmlängen aufweisen - das kann höchst unwahrscheinlich immer nur durch ‘Verstümmelung’ oder wie oft in der Literatur angegeben durch ‘Abarbeitung’ erfolgt sein, vielmehr sollte hier eine gewollte Steinmetzarbeit in Betracht gezogen werden, im Sinne von symbolischem Ausdruck der Negation einer evtl. Untat bzw. des Täters; in diesem Zusammenhang erklärt sich auch der gewollte Schrägstand von Sühnekreuzen, z.B. die Steinkreuze NI-Wimmer, HE-Schmalnau, Hausen (Verf.)

das Denkmal, vergleichbar bzgl. Obj. D, kann dem Sühnevertrag von 1469 nicht zugeordnet werden; denkmalgeschützt seit 10. 1. 1974

Quellangaben: Lit.: 1. H. Quietzsch, 1980, s.o. S. 52-54, Nr. 24 m. Abb. 34, daraus: 2. Georg Wagner, 1905, S. 243 u. Geithainer Wochenblatt 1907, Mitteilung aus der Geschichte Geithains Nr. 1, 3. G. Müller-H. Quietzsch-H.-J. Wendt, Zur Steinkreuzforschung und -erhaltung, 1964, Sächs. Heimatblätter 10. Jg., Heft 3, S. 257-268,     4. G. Schwarz, Steinkreuze, 1965, s.o. Nr. 13/ 14/ 15  

verschollene Objekte: Geithain, ‘Ein Kreuz auf dem Weichbilde (Stadtgrenze) an der Straße nach Zschillen, ein anderes vor dem Untertore - Pastor G. Wagner, Mitteilungen aus der Geschichte Geithains Nr. 1, Geithainer Wochenblatt 1907’ (Quelle: Lit. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928, s.o. S. 225 Nr. 19

kopie lit. h. quietzsch 1980

Frohburg, OT Greifenhain, Lkr. Leipzig, (Steinkreuz ausgegangen) bis Herbst 2013 am westl. Ortsrand, südseitig ‘Straße der Einheit’ auf der hohen Böschung am Feldrain, nördl. an einem nach Westen ziehenden Feldweg, ‘Auenberg’ (etwa halbwegs Greifenhain-Frohburg, ggü. Haus Nr. 28)

Maße: Höhe 0,65 m, Br. 0,59, T. 0,18, das Steinkreuz aus Rochlitzer Porphyrtuff zeigte auf der südl. Seite im Kreuzungsfeld die eingehauene Jahreszahl 1813, doch wurde es in der Literatur als weitaus älter angenommen; am Standort mehrfach gerichtet und dabei zwischen 1972-79 um 180° gedreht; nach den Sagen sei hier ein russischer oder französischer Offizier 1813 begraben worden (1962 mündl. von Hermann Rosch, 83, Greifenhain); nach Lit. Helbig, 1906a, wurde am Platze der letzte Wolf oder Bär erlegt oder es handelte sich um ein Pestkreuz (Quelle: Lit. H. Quietzsch)

obwohl das altehrwürdige mittelalterliche Steinkreuz seit dem 15. 12. 1962 denkmalgeschützt war ist es im Herbst 2013 vermutlich aus Unachtsamkeit bei der Feldbewirtschaftung durch die Agrargenossenschaft in mehrere Teile zerstört worden, wobei sicherlich der Standort nicht ausreichend markiert war; die daraufhin

benachrichtigte Untere Denkmalschutzbehörde besichtigte die auf dem Betriebshof der Greifenhainer Agrargenossenschaft sichergestellten Fragmente, worauf sich die Schadensverursacher bereit erklärten das Kreuz zu reparieren bzw. ein Duplikat anfertigen zu lassen - dieses Angebot wurde, man höre und staune - vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen abgelehnt ! (Quelle: Auskunft eines Anwohners schräg ggü. liegendes Haus am 17. 6. 2016 an Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. H. Quietzsch, 1980, s.o. S. 59-60, Nr. 28 m. Abb. 39, daraus: 2. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928, Nr. 81, S. 190 u. 1936, Nr. 93, 3. K. Helbig, Steinkreuze im Königreich Sachsen als Grenzzeichen, Mitt. des Vereins für Sächs. Volkskunde, 1906a, S. 120, 127 m. Abb. 5, 4. K. Herold, Alte Sühnezeichen der engeren Heimat, Döbeln 1934, S. 5, 5. M. Engelmann, 1955, S. 6, 6. G. Schwarz, Steinkreuze, 1965, Nr. 13

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