quelle: lit. w. saal 1989 quelle: lit. w. saal 1989
urheber: m-h.de

Dessau-Roßlau (kreisfr.), OT Mosigkau, im Ort, innen an der Westwand der ev. 'Martin-Luther-Kirche' ('Anhalter Straße'), unter der Orgelempore, 2 Kreuzsteine

Maße: A: Höhe 1,22 m, Br. 36 cm, T. 13 cm, rechteckige Sandsteinplatte mit einem lateinischen 'Tatzenkreuz' im Relief erhaben über die gesamte Fläche, das ein linear eingetieftes, nur noch schwach erkennbares *Schwert zeigt; B: Höhe 1,23 m, Br. 36 cm, T. 13 cm, vergleichbar mit A, ebenfalls lateinisches Tatzenkreuz, das jedoch einen *Speer zeigt  (Verf. frei nach W. Saal 1989)

'An der inneren Westwand des Kirchenschiffes Mosigkau wurden im Sommer 1970 zwei Kreuzsteine aufgestellt, die sich bis dahin links und rechts von einem Mauerpfeiler an der südwestlichen Ecke der Kirchhofsmauer befanden. Leider wurden beide Steine bei der Verbringung in die Kirche mit einer grünlichen Zementschlämpe überstrichen, die die Reste der Einritzungen völlig unkenntlich machte. 14./15. Jahrhundert. Bereits Büttner Pfänner zu Thal weist 1892 darauf hin, daß an diesen beiden Kreuzen die vorüberziehenden Zigeuner Gebete verrichteten. Warum dies geschah, wird wohl kaum noch zu rekonstruieren sein. Immerhin sei darauf hingewiesen, daß in Garlipp im Kreis Stendal am Lagerplatz der Zigeuner, dem sog. Zigeunerbahnhof, ebenfalls ein Kreuzstein stand. Der Friedhof wird seit 1887 nicht mehr für Erdbestattungen benutzt, lediglich Urnenbestattungen erfolgen hier seit den dreißiger Jahren' (Lit. W. Saal 1989)  

Geschichte (Auszüge)
Dessau, 1213 erstmals urkundlich erwähnt, war Ende des 12. Jahrhunderts als Handelsplatz an der Kreuzung von Handelsstraßen an der Mulde nahe ihrer Mündung in die Elbe entstanden. Später entwickelte sich der durch die askanische Burg Waldeser geschützte Ort zur Ackerbürgerstadt und wurde 1470 zur festen Residenz der Fürsten von Anhalt-Dessau bzw. Anhalt. Die Errichtung des Residenzschlosses und der Ausbau der Marienkirche waren die ersten Bautätigkeiten der Fürsten in Dessau. Die Stadt hatte nur begrenzte Selbstverwaltung, so dass ihre Geschichte untrennbar mit der von Anhalt-Dessau und dessen Fürstenhaus verknüpft ist.
Die Reformation wurde in Dessau zunächst zögerlich angenommen. Noch 1526 schlossen sich in der Stadt katholische Fürsten zum Dessauer Bund zusammen. Aber 1534 wurde die Reformation durch Georg III. offiziell eingeführt. Als 1552 viele Einwohner Dessaus der Pest zum Opfer fielen, evakuierte Fürst Joachim den Hof nach Schloss Warmsdorf bei Güsten. (wikipedia.org-wiki-Dessau)

*Schwert/Speer
Schon in heidnischer Zeit wurde auf Schwert und Speer geschworen und der Eid geleistet (Lit. S. Altensleben 2023, aus: Brunner, Rechtsgeschichte, Grimm, Rechtsaltertümer). Sie waren bis in das Mittelalter hinein Zeichen weltlicher Herrschaft und damit der Gerichtsbarkeit. Speziell das Schwert wurde zum Symbol der mittelalterlichen Hochgerichtsbarkeit des weltlichen Adels, das todeswürdige Vergehen wie Mord, Notzucht, Raub, Verrat, Inzest, Falschmünzerei, Ehebruch, Meineid, Hexerei usw. verhandelte und nicht selten die Todesstrafe verhängte. Flurdenkmäler mit derartiger Symbolik werden deren Gerichts- bzw. Richtstätten (Straßengerichte) mit dem dazugehörenden Gottesfriede angezeigt haben.
Die Mosigkauer Kreuzsteine sind jedoch bezüglich der markanten Kreuzreliefs im Grunde als kirchliche Gerichtssteine einzuschätzen. Die Geschichte der Region bzw. der Stadt Dessau gibt darüber Aufschluß. Das alte Fürstenhaus Anhalt-Dessau war lange Zeit katholisch geprägt. Von daher werden die Steine mit den weltlichen Zeichen aus dieser Zeit stammen (Verf.) 

Quellangaben: Lit.: 1. Stephan Altensleben, Rätselhafte Steinkreuze - Die Entdeckung ihrer wahren Bedeutung, Langenweißbach 2023, S. 140, 2. Walter Saal, Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle, Halle 1989, S. 16, Nr. 1./2. m. Abb. 29/30 (Kopien), daraus: 3. Büttner, Pfänner zu Thal, Anhalts Bau- und Kunstdenkmäler, Dessau 1892, 4. A. Wirth, Stein- und Sühnekreuze in Anhalt, in: Dessauer Kulturspiegel 4, 1957, S. 380-384, Internet: 1. wikipedia.org-wiki-Hochgericht/Geschichte Dessau, 2. Wikipedia.org-wiki-Martin-Luther-Kirche Mosigkau m. Foto v. 6.11.2009 (Kopie), Urheber: 'M-H.de' (Eig. Werk) Liz.-Nr. CC BY-SA 3.0  

c.2026  www.kreuzstein.eu